Was ist Craft Beer?

Wo kommt es her? Wie kann man es definieren? Starkes Bier? Kleine Brauereien? Neue Bierstile? Kann ich in Österreich Craft Beer kaufen? Wo kann ich Craft Beer kosten?

Viele Fragen ranken sich um das Trend-Thema Craft Beer. Erfahren Sie in diesem Beitrag alles, was Sie als Bier-Einsteiger über Spezialbier wissen müssen. 

Woher kommt Craft Beer?

Leider gibt es keine perfekte und sinngemäße Übersetzung des Begriffs ins Deutsche. Wörtlich bedeutet Craft Beer einfach „handwerkliches Bier“. Jedoch ist dem leider nicht alles abgetan. 

Die USA gilt als Ursprungsland für den Begriff. Die amerikanische Definition von Craft Beer wurde festgelegt durch die Brewers Association, dem Verband der Craft Brauereien in den USA. Diese besagt soviel wie: „small, independent, traditional“. 

„small“ – die Größe der Brauerei:

Der Jahresausstoß darf nicht über 10 Millionen Hektoliter Bier liegen (Zum Vergleich: Der Gesamtausstoß aller Österreichischer Brauereien lag im Jahr 2019 bei 9,8 Millionenen Hektoliter.)

„independent“ – die Eigenständigkeit der Brauerei:

Es dürfen nur weniger als 25% der Brauerei einem Konzern der Alkoholindustrie gehören. 

„traditional“ – traditionelle Biere:

Der Großteil der produzierten Biere muss dem traditionellen Stil folgen. Sprich aus Wasser, Malz, Hopfen und Hefe. 

Privat oder Konzern?

Anhand der bereits aufgeführten Punkte wird sehr schnell bewusst, dass die deutschsprachige Definition für Craft Beer sehr schwierig ist. Wie oben bereits erwähnt, werden in Österreich gesamt ca. 9,8 Millionen Hektoliter pro Jahr produziert. Diesem Kriterium zufolge wären also alleine der Größe wegen alle österreichischen Hersteller Craft Brauereien.

Der Großteil der in Österreich produzierten Biermenge wird von der Brau Union produziert, welche von Heineken kontrolliert wird (2019 waren das ca. 5 Millionen Hektoliter). Diese sehr große Menge ist der amerikanischen Definition zufolge jedoch nicht mehr „Craft“ da mehr als 25% von einem Großkonzern gehalten werden.

Die meisten österreichischen Biere werden im traditionellen Sinne hergestellt. 2018 sah die Verteilung der Biersorten wie folgt aus:

  • 64,7% Märzenbier
  • 14,5% sonstiges Vollbier
  • 4,7% Spezialbier
  • 4,6% Radler
  • 3,8% Schankbier
  • 3,2% Pilsbier 
  • 2,8% Alkoholfreies Bier
  • 1,3% Weizenbier
  • 0,3% Bockbier
  • 0,1% Leichtbier

Bier abseits des Mainstream

Unter Vollbier versteht man in Österreich Bier, welches zwischen 11° und 16° Stammwürze hat. Somit sind auch die vom Handel benannten Craft Biere zum Großteil als Vollbier und als Spezialbier (12,5°-16°) aufgelistet. Der Handel versteht unter Craft Beer Biere abseits des Mainstreams. Da in Österreich großteils Märzenbier getrunken wird, gelten sehr oft IPAs (India Pale Ale), Porter, Stouts, usw. als Craft Beer. 

Das macht die offizielle Definition zwar scheinbar leichter, jedoch sind es für viele Bierbrauer und Bierliebhaber andere Kriterien, die eine Bierdelikatesse zu Craft Beer machen.

Mit Bier zurück zum Ursprung

Für viele Bierkenner gelten die Vielfältigkeit der Brauerei sowie regionaler und nachhaltiger Rohstoffeinkauf als das Ziel hinter dem Bier. Bei Craft Beer sollte es nicht darum gehen, einen möglichst großen Gewinn abzuwerfen, sondern darum, ein geschmacklich interessantes Bier zu brauen.

Dass die Brauerei privat geführt wird, ist für viele als Kriterium für Craft Beer unumgänglich. Auch Biere von Großkonzernen können geschmacklich sehr gut sein, allerdings sind private Brauereien darauf bedacht, die Region zu stärken und besser auf das Umfeld zu achten.

Ein Großkonzern muss seine Aktionäre befriedigen und macht das unter anderem, indem er kleine Brauereien kauft und sich somit auch andere Bierstile aneignet. Leider wird dann oftmals verschleiert, wer hinter der Brauerei steht.

Was versteht man in Österreich unter Craft Beer?

Auch wenn die Definition für den deutschsprachigen Raum etwas hinkt, kann man Craft Beer allgemein als Spezialbier bezeichnen. Darunter fallen Biere, welche oftmals geschmacklich etwas Neues mit sich bringen und welche mit Leidenschaft und Liebe zum Bier hergestellt werden. Dafür braucht es eine Brauerei mit Herz und Seele, in der auch die gängigen Bierstile, wie zB. Märzenbier, einen eigenständigen Geschmack haben und nicht versuchen, allen Menschen dieser Welt zu schmecken. 

Regionale Rohstoffe bzw. eine Einkaufsstruktur, welche nicht nur auf möglichst großen Gewinn ausgerichtet ist, gehören ebenso dazu, wie der spezielle und experimentelle Geschmack der Craft Biere. Biere mit Ecken und Kanten, welche sich eigenständig präsentieren und eine Geschichte mit sich bringen, dürfen die Bezeichnung Craft Beer mit stolz tragen.

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